Interessantes

Neu erschienen:

Stelzer-Rothe, T. und Thierau Brunner, H. (Hrsg.) 2018: Einblicke in systemisches Coaching. Berlin

Coaching ist ein häufig angewendetes Personalentwicklungs- und Führungsinstrument in Organisationen. Damit Coaching hilfreich ist, bedarf es allerdings einer theoretischen Fundierung, sonst besteht die Gefahr, unerwünschte Folgen und Probleme zu produzieren. Was verbirgt sich also hinter einzelnen Coachingansätzen und wie können diese sinnvoll angewendet werden? In der Verbindung von Theorie und Praxis stellen die Autor/innen Problemstellungen anschaulich dar und greifen Themen auf, die sowohl in der individuellen, als auch in der teamorientierten Beratung zum Tragen kommen. Dabei geht es um Teamcoaching, Stressbewältigung im psychosomatischen Umfeld, Konfliktbewältigung in Unternehmen, Kollegiale Fallberatung in Lehr-Lernkontexten und die hypnosystemische Beratung im Umfeld von Organisationen mit großem Beharrungsvermö- gen (z. B. Hochschulen). Das Buch enthält eine Vielzahl von lösungsorientierten Strategien, die Mut machen und den langfristigen Nutzen von systemischem Coaching aufzeigen.

Buchempfehlungen

Jürgen Weibler:

Personalführung. München. 2016.

1. Welche Zielgruppe hat das Buch?

2. Was beinhaltet das Buch?

3. Wie versucht der Autor sein Ziel zu erreichen?

4. Wie ist das Buch zu bewerten?

1. Welche Zielgruppe hat das Buch?

„Das Buch wendet sich an Studierende und Dozenten aller Disziplinen, die sich mit Fragen der Personalführung … beschäftigen …“ (S. VI). Der Adressatenkreis wird im Grunde nicht eingeschränkt und so soll das Buch vom Bachelor bis zum Doktoranden Hilfe anbieten, für weitere Forschungen anregen und richtet sich auch an Führungspraktiker, Führungskräftetrainer, Business Coaches, Organisationsentwickler und Fachabteilungen. Es soll darüber hinaus Handbuchcharakter erlangen, was ja so viel bedeuten könnte, dass die Adressatenkreise im Werk zu Fragestellungen der Personalführung nachschlagen und brauchbare Antworten finden können.

2. Was beinhaltet das Buch und welche Anliegen hat es?

Das Buch nimmt für sich nicht in Anspruch, die Fülle der derzeitigen Positionen und Zugänge zum Thema Führung zu beinhalten. Das ist durchaus nachvollziehbar. Im 21. Jahrhundert besteht schon lange nicht mehr die Chance, im Rahmen eines Buches einen Teilbereich eines so komplexen und komplizierten Wissenschaftsgebietes irgendwie vollständig abzubilden. Selbst eine mehrbändige Veröffentlichung würde dieses Ziel nicht erreichen.

So ergibt sich die Notwendigkeit, die didaktische Frage zu beantworten, was überhaupt Eingang in dieses Buch findet. Im Grunde genommen ist es die Aufgabe, die dem Vertreter eines Wissenschaftsgebietes an einer Hochschule auf Grund seiner ständigen Bemühung zentral zukommt, die als wichtig und/oder bedeutsam erachteten Inhalte eines Faches darzustellen, zu diskutieren und letztlich auch kritisch zu bewerten. Diesen Anspruch formuliert der Autor explizit, indem er darauf hinweist, dass er einordnet, Verbindungslinien aufzeigt, akzentuiert und wertet (S. V).

Nebenbei bemerkt ist es fair, die Mitarbeit einiger anderer sicher nicht unwichtiger wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen explizit zu benennen. Die Danksagung enthält übrigens auch den zwar obligatorischen, damit aber keineswegs überflüssigen Hinweis auf die Unterstützung durch weitere Personen, deren Bedeutung nur der zu erkennen vermag, der selbst einmal ein derartig umfassendes Vorhaben durchgeführt hat.

Als Anliegen („Absicht“) des Buches formuliert Weibler, die am Ende des Durcharbeitens stehende eigenständige Auseinandersetzung mit Führungsfragen unterstützen und zur Erkundigung unbekannten Terrains ermutigen zu wollen (vgl. S. V).

Das Buch soll wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Führung darstellen, diskutieren, bewerten und letztlich einen Impuls für das mündige und eigenständige Handeln des Lesers geben. Es soll darüber hinaus beim Thema Führung anregen weiterzudenken.

3. Wie versucht der Autor sein Ziel zu erreichen?

Das Generalthema des Buches, der Zugang, den der Autor zum Thema Führung formuliert, basiert auf der Betonung der Beziehungen, die im Rahmen von Führungsprozessen beobachtbar sind und gestaltet werden. Das ist unmittelbar einleuchtend und schlägt sich im Buch im ersten Kapitel darin nieder, dass Führung als soziale Tatsache beschrieben wird.

Entsprechend werden neben dem einleitenden Kapitel die Themen Entstehung und Entwicklung der Führungsbeziehung, ihre Ausrichtung sowie die Gestaltung der Führungsbeziehung in den Blick genommen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch „spezielle“ Blicke auf Führung und Führungsbeziehungen. Dazu gehört zum Beispiel die Frage nach der Führung und organisatorischem Wandel.

Am Ende des Buches wird auf die ethische Reflexion von Führung und Führungsbeziehung rekurriert. Letzteres scheint in den vergangenen Jahren größere Bedeutung zu gewinnen, was man begrüßen kann und umso mehr ist die Behandlung des Themas im Rahmen eines Buches zum Thema Führung zu loben. Denkbar wäre, das Kapitel auch im Rahmen des einleitenden Teils zu behandeln, weil es sich ja nicht unbedingt um ein „Nice-to-have-Thema“ handelt, das dann auch noch bedacht werden kann, sondern das Führungshandeln grundsätzlich beeinflussen müsste, wenn man Ethik nicht als Mittel zum Zweck erfolgreicher Führung degradiert.

Dass es in dem Buch auch ein Kapitel zum Thema „Bad Leadership: Die dunkle Seite der Führung“ gibt, ist überaus lobenswert. Das schärft den Blick auf die Realität und stellt so manchen Führungskräftetrainer oder Coach vor Herausforderungen, wenn er mit dem Klienten zusammen das „wirkliche Leben“ neben allen wunderbaren Erkenntnissen der Führungsforschung analysiert und nach Lösungen für konkretes Führungsgeschehen sucht.

Das sehr differenziert gegliederte Buch umfasst insgesamt immerhin 763 Seiten und greift im Detail die Erkenntnisse zu einer Vielzahl von Einzelthemen aus den behandelten Gebieten auf. Die Palette dessen, was behandelt wird, reicht von den weithin seit langem bekannten und diskutierten Führungstheorien (z.B. Eigenschaftstheorie oder Idiosynkrasie-Kredit-Theorie) bis zu Führungsstilen, die in der Managementforschung zum Teil seit Jahrzehnten bekannt sind und immer wieder im Führungsgeschehen zitiert werden (z.B. Iowa-Studien oder das Verhaltensgitter von Blake und Mouton). Die jeweiligen Erkenntnisse werden angemessen dargestellt und durch Graphiken oder Tabellen sinnvoll veranschaulicht.

Über die Auswahl der von Weibler im Buch genannten Inhalte kann man sich trefflich streiten. Der eine oder andere Kollege wird sich sicher fragen, warum sein geliebter Ansatz der Führungstheorie oder Forschungserkenntnisse, die ihm wichtig erscheinen, nicht im Buch behandelt werden. Beispielsweise kann man sich fragen, warum die zwar stark aus der Psychologie stammenden systemischen Ansätze mit ihren durchaus ernstzunehmenden Variationen nicht stärker behandelt werden (z.B. die systemischen Ansätze von Milton Erickson, die wertvolle Hinweise auf erfolgreiches Führen geben können).

Die vom Autor des Werkes gewählte umfassende Darstellung bedeutsamer Erkenntnisse aus der Führungsforschung erfüllt jedenfalls das Anliegen anzuregen und dazu zu ermutigen weiterzudenken.

Die am Ende der Kapitel eingefügten zentralen Begriffe und Diskussionsfragen entsprechen den neueren mehr auf das Verarbeiten und den Transfer ausgerichteten Ansätzen der Lehrbuchdidaktik. Lösungsskizzen für die Diskussionsfragen wären hilfreich, wenngleich sie bei vielen Lesern dazu führen können, dass sie die Aufgaben nicht mehr intensiv bearbeiten. Die Möglichkeit, die Tabellen und Abbildungen bei Vahlen im Download zu erhalten, ist sehr sinnvoll und entspricht einer gängigen Praxis bei Büchern der vorliegenden Art.

Das Glossar, das das Buch beinhaltet, ist ebenfalls grundsätzlich zu loben, fällt allerdings vergleichsweise knapp aus und sollte in der nächsten Ausgabe vielleicht noch einmal überdacht und ergänzt werden.

Eine Idee, die Wirksamkeit des Buches noch weiter zu erhöhen, wäre die Einfügung von kurzen Zusammenfassungen am Ende der jeweiligen Oberkapitel. Das ist ein ausgesprochen schwieriges Unterfangen, weil die Gefahr der unzulässigen Verkürzung von Gedanken besteht, könnte aber dazu führen, diese Zusammenfassungen zunächst am Stück zu lesen, um sich in die einzelnen Kapitel zu vertiefen. Es wäre einen Versuch wert.

Die Ausführungen sind aus der Sicht des Rezensenten überwiegend sehr gut verständlich und sollten auch für die genannten Zielgruppen gut lesbar und nachvollziehbar sein.

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die Erkenntnisse von bedeutsamen Forschungen aus dem Führungsbereich. Diese werden verständlich und anschaulich dargestellt.

4. Wie ist das Buch insgesamt zu beurteilen?

Die vom Autor selbst im Vorwort genannten Ziele und Absichten des Buches sind hochwertig. Er kann sie sowohl was die Inhalte betrifft, als auch durch die Art und Weise, wie diese dargestellt werden, erfüllen. Das Werk ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es möglich ist, (immer noch) ein Buch zu schreiben, das den Anspruch erheben kann, eine Vielzahl bedeutsamer Erkenntnisse der Forschung vergleichsweise knapp darzustellen. Trotz seiner über 700 Seiten ist das Buch angesichts der Forschungslage nämlich durchaus kompakt geblieben. Die Kunst wird in der Zukunft darin liegen, immer wieder kritisch zu hinterfragen, welche Erkenntnisse in einem Grundlagenwerk wie diesem dargestellt werden sollen.

Das Buch bekommt eine uneingeschränkte Empfehlung für Studierende (einschließlich Doktoranden). Für Praktiker wäre die eine oder andere Zusammenfassung wichtig, damit sie das Buch gezielter im Detail durcharbeiten können. Wer sich als Praktiker an das Buch wagt, weil er ausreichend Zeit dafür findet, wird es ebenfalls überaus zu schätzen wissen.

Manfred Spitzer:

  • Einsamkeit - die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich. Neueste Auflage.

Nach seinen vielen Veröffentlichungen, die sich insgesamt durch eine fundierte Darstellung von Befunden der Hirnforschung auszeichnen, veröffentlicht Manfred Spitzer hier zum wiederholten Mal ein Buch mit brisanten Erkenntnissen aus der Hirnforschung. Der allgemeine Hype zum Thema Digitalisierung wird aufgegriffen.

Anders als viele andere Darstellungen ist Manfred Spitzer überaus skeptisch, ob die Möglichkeiten der digitalen Revolution bei jungen Menschen durchweg Positives bewirken. Gerade im Bereich von Lernprozessen ist der Einsatz digitaler Unterstützungen gut zu überlegen, da die aus verminderten persönlichen Kontakten resultierenden Vereinsamungsprozesse, zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.

Das Buch ist allen Lesern ans Herz gelegt, die im Lehrbereich tätig sind und Entscheidungen treffen, in welcher Form in Zukunft Lernen digitalisiert werden soll.


Joachim Bauer:

  • Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Neueste Auflage.

Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, das auch noch, wie bei Joachim Bauer üblich, so geschrieben ist, dass es wie ein spannender Roman wirkt. Der Auto greift fundamentale Forschungserkenntnisse zur Frage auf, was Menschen treibt.

Die für die Motivation so wichtigen hirnbiologischen Prozesse werden anschaulich und nachvollziehbar darstellt. Erfreulich sind die umfassende Literatur- und Quellenangaben, die es ermöglichen, den Dingen in den Originalquellen auf den Grund zu gehen und die Aussagen zu überprüfen.

Das Buch ist für eine breite Leserschaft geschrieben und es wäre zu wünschen, dass sich möglichst viele Leser finden, um sich über die angesprochenen faszinierenden Gebiet der Forschung zu informieren, deren Erkenntnisse sich fundamental auf das Zusammenleben von Menschen auswirken müssten.


Joachim Bauer:

  • Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt. Neueste Auflage.

Für das Buch gilt das Gleiche wie eben gesagt. Es ist wahrscheinlich für die meisten Menschen lesbar wie ein spannender Roman, darüber hinaus auch noch anschaulich und wissenschaftlich fundiert.

Ein absoluter Lesetipp für alle, die sich mit dem Thema Konflikt und Konfliktmanagement auseinandersetzen wollen.