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Motivation von Mitarbeitern - menschliche Energie im Unternehmen

30.01.2018

Thomas Stelzer-Rothe

Vortrag im Rahmen des Studiums Generale an der Hochschule Rhein-Waal

Warum sind einige Menschen hochmotiviert und andere geradezu lethargisch? Was treibt uns an? Welchen Zielen streben wir zu? Verfügt der menschliche Körper über Antriebsaggregate?

Diese und andere Fragen waren Gegenstand eines Vortrages in der Hochschule Rhein-Waal am 30.01.2018. Die Ergebnisse der neueren Hirnforschung basieren auf dem Vergleich von Phänomen, die deutlich machen, dass es im Gehirn ein zentrales Antriebsaggregat geben muss. Sowohl der Verlust jeglichen Antriebs durch ein Neuroleptikum als auch das genau gegensätzliche Phänomen eines massiven und unstillbaren Verlangens (nach Suchtmitteln wie Alkohol, Nikotin, Kokain) treffen wie zwei Geraden im Hirn in einer Region zusammen.

Die Wirkweise des hinter diesen "künstlichen" Phänomenen liegenden Systems lässt sich in ihrer natürlichen Form, belegt durch umfangreiche Forschungsergebnisse, gut beschreiben. Die Vorgänge basieren auf der Ausschüttung von Dopamin und der folgenden Freisetzung von endogenen Opioiden und Oxytozin.

Dopamin stärkt die Konzentration und Handlungsbereitschaft, endogene Opioide lösen wohltuende Effekte (Lebensfreude) im Emotionszentrum des Gehirns aus und Oxytozin verursacht Vertrauen und Bindung.

Da das beschriebene Hirnsystem natürlich weder für Neuroleptika noch für Suchtmittel entstanden ist, war also die Frage zu klären, was ein wirklicher und massiver Grund sein kann, dass das System anspringt. Woher kommt also der (natürliche) Motivationsdruck (nicht der Suchtdruck) von Menschen?

Die Antwort der Forschung lautet: 
Soziale Gemeinschaft, gelingende Beziehungen und alle Formen sozialen Zusammenlebens sind die Ziele des Systems. Zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Zuneigung sind die Auslöser. Soziale Isolation und Ausgrenzung führen andererseits zu Apathie und zum Zusammenbruch jeglicher Motivation. 

Die auf diesen Forschungsergebnissen basierenden Konsequenzen sind weitreichend und werden durch Untersuchungen verstärkt, die auf die Wirkung geglückter Beziehungen in Unternehmen hinweisen. Menschen, die in einer Atmosphäre der Wertschätzung und Achtung tätig werden, engagieren sich stärker, fehlen seltener und entwickeln Eigeninitiative und Kreativität.

Das bedeutet, dass ein Kümmern um Beziehungen (Beziehungsmanagement), zu einem strategischen Faktor für Unternehmen werden kann. Beziehungsarbeit in Unternehmen ist Motivationsfürsorge und Motivationsvorsorge. Die entstehende Energie ist nicht nur die Energie des Menschen, sondern im besten Sinne menschliche Energie.

So könnte man auf die Frage, ob soziale Bindung eine Suchtkrankheit ist, pointiert entgegnen, dass die stärkste Droge des Menschen tatsächlich der Mensch selbst ist!

Für weitere Informationen nehmen Sie bitte Kontakt auf.

Einige Gedanken zur Fachbereichsentwicklung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

17. Januar 2018

Thomas Stelzer-Rothe

Aus einem Vortrag an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften in NRW

Die Entwicklung von Fachbereichen an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften stellt sich mitunter problematisch dar. Reibungsverluste durch die neuerdings verstärkten Ressourcenkämpfe und die Besonderheiten des Systems Hochschule machen vielen Beteiligten an den Hochschulen das Leben schwer. Mobbing wird als relevantes Thema in einer Studie aus dem Jahre 2015 an den Fachhochschulen des Landes NRW wahrgenommen (30 Prozent der repräsentativ Befragten sehen Mobbing als ein Thema an ihrer Hochschule; Hellemacher, L. und Stelzer-Rothe, T. 2015: Zur Lage der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen. Ergebnisse der hlbNRW-Frühjahrsstudie 2015. In: DNH 6/2015. S. 190 - 193).

Gefordert ist die Verständigung darüber, welche Anliegen und daraus ableitbare Ziele/Visionen die Akteure in den Fachbereichen überhaupt haben. Der Hintergrund ist die aus den gesetzlichen Normen ableitbare Orientierung am Gemeinwohl (für verbeamtete Professorinnen und Professoren z.B. im Beamtenstatusgesetz § 33). Deshalb ist die für Professorinnen und Professoren grundgesetzlich garantierte Freiheit in erster Linie nicht eine Freiheit von Normen, sondern für etwas (nämlich u.a. für das Gemeinwohl).

Die Gestaltung der konkreten Zusammenarbeit in einem Fachbereich sollte als ein zutiefst auf die Beteiligung der Betroffenen gerichteter Prozess gestaltet werden, da alle zusammen das, was als Anliegen formuliert wird, umsetzen sollen. 

Die Partizipation ist keine Zugabe, sondern ein Kernelement des Vorgehens, weil der Kontext des Systems Freiheiten gewährt, die dazu führen, dass sich die einzelnen Akteure vielfach sanktionsfrei oder sanktionsarm entziehen können. 

Das zu bedauern, fällt leicht, ist allerdings andererseits ein Teil des auf Freiheit aufbauenden Systems, welches das noch nicht Gedachte und das noch nicht Gemachte ermöglichen soll. Deshalb sind auch die noch so ungewöhlich erscheinenden, individuellen Ansätze der Beteiligten als konstituierender Bestandteil des Systems zu würdigen und einzubeziehen. Gleichzeitig ist ein Ausgleich der berechtigten Interessen zu diskutieren und zu ermöglichen.

Aus diesen Gründen kann ein System nicht vorab konkret ausgestaltet werden, sondern man könnte vor allem Kriterien berücksichtigen, die zu einer hohen Akzeptanz und damit zu einer hohen Umsetzungswahrscheinlichkeit führen und seine Handhabbarkeit durch Komplexitätsreduzierung der angestrebten Maßnahmen gewährleisten.

Dazu ist es unumgänglich, dass die einzelnen Akteure/Gruppen der Fachbereiche ihre Anliegen frei formulieren können, um sie anschließend in einem Gesamtprozess miteinander auf ihre Stimmigkeit und Vereinbarkeit hin abzugleichen. Am Ende stehen einvernehmliche Anliegen (Ziele/Visionen), die von der weitgehenden Mehrheit des Fachbereiches getragen werden und so die Entfaltung der in den Gemeinschaften an den Hochschulen liegenden Potenziale gewährleisten.

Das Fachbereichssystem soll dementsprechend

• verstanden sein

• (imaginationsfähige) Anliegen/Ziele/Visionen beinhalten

• (weitgehend) akzeptiert sein (im Fachbereich entstanden sein)

• transparent nach außen und innen sein

• als gerecht empfunden werden

• offen für Neues sein

• raumgebend für Einzelne sein

• revisionsfähig sein

• beziehungs-/begegnungsfördernd sein

• so wenig Bürokratie wie gerade möglich beinhalten

Weitere Informationen zur Fachbereichsentwicklung und zu den Einzelheiten des Vortrages erhalten Sie auf Anfrage.

Hochschulen professionell führen und weiterentwickeln

02. Oktober 2017

Von Leo Hellemacher und Thomas Stelzer-Rothe

Ergebnisse einer empirischen Studie zur Hochschulführung an Fachhochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen

Auszug: 

"Nachdem in der hlbNRW-Studie 2015 bereits erste Ergebnisse zur Führungsqualität der Präsidien, zum Hochschulrat, zur Verwaltung sowie zur Bedeutung von Lehre und Forschung veröffentlicht wurden, ging es in der diesjährigen Folgeuntersuchung primär um die Frage, ob die Führungs- und Managementqualitäten der Hochschulleitungen aus Sicht der Professorinnen und Professoren zureichend sind, um neben der Hochschule auch das anspruchsvolle Hochschulpersonal angemessen und verantwortungsvoll führen zu können. Die dazu angelegten Evaluationskriterien wurden für die Umfrage nicht gesondert entwickelt, sondern den "Leitlinien guter Führung der Hochschulverwaltung Bochum" entnommen. In einem weiteren Teil der Untersuchung sollte die Einbindung der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer bei der Erarbeitung des jeweiligen Hochschulentwicklungsplans (HEP) untersucht werden, sozusagen als exemplarische Führungssituation an den Hochschulen."

Die Ergebnisse der explorativen Studie, an der nahezu 200 Professorinnen und Professoren teilgenommen haben, lassen es sehr naheliegend erscheinen, Fragen der Art und Weise wie Hochschulen von ihren Leitungsgremien geführt werden und wie die Wirkung dieser Verhaltensweisen im System aussieht, weiter nachzugehen. Die zum Teil verheerenden Rückmeldungen an einigen Hochschulen lassen sogar unmittelbaren Handlungsbedarf vermuten. 


Als lösungsfördernde Intervention im System schlägt die Studie die Einrichtung von Ombudsstellen vor.

Die Studie ist zu beziehen über den hlbNRW Geschäftsstelle Bonn (Tel. 0228/55525610).
Thomas Stelzer-Rothe




Vortrag zum  Thema 20 Jahre Erfahrung in Berufungskommissionen!

(18. September 2017)

Gedanken aus dem Vortrag:

- Die Bedeutung von Berufungen zur Dimensionierung des Problems
- Die Schwierigkeiten des Prozesses im Überblick
- Empirische Befunde aus der Beratung und Seminarpraxis als Grundlage
- Tipps für die Durchführung von Berufungsverfahren


"Der strategischen Bedeutung der Professuren einer Hochschule steht das Problem gegenüber, ein valides, objektives und reliables Verfahren zu entwickeln, das der Bedeutung und der diagnostischen Schwierigkeit gerecht wird!"

Thomas Stelzer-Rothe

Neben den im Gesetz geforderten Eigenschaften lässt sich sehr gut begründen, dass es bei der Berufung von neuen Professorinnen und Professoren vor allem um die folgenden Eigenschaften geht, die zukünftige Kolleginnen und Kollegen mitbringen und pflegen müssen:

- Lernbereitschaft und Lernfähigkeit
- stabile intrinsische Motivation
- soziale Kompetenz

Aus diesem Grund ist eine intensive Begleitung zum Einstieg in die Hochschule in den ersten zwei Jahren überaus ratsam, da ansonsten negative Wirkungen auf die Passung in das neue Umfeld riskiert werden. Die daraus u. U. folgenden Konflikte sind beträchtlich und können in ihren Wirkungen massiv sein. Die gelungene Entscheidung zu Beginn ist so unbedingt durch eine qualifizierte Beratung und Betreuung zu begleiten.

Der Vortrag fand in der Hochschule Ruhr West statt. Für weitere Informationen: tsr @ stelzer-rothe.de


Vortrag zum Thema Lernen in der Zukunft (für Führungskräfte) im Arcadeon in Hagen

Worauf wir achten können, wenn wir neuere Forschungsbefunde betrachten!

(21. Juni 2017)

Die Bedeutung des Themas: Veränderungen gestalten können

Die Erkenntnisse der neueren Hirnforschung legen es nahe, dass sich Führungskräfte intensiv Gedanken dazu machen, wie Menschen lernen. Das ist schon deshalb dringend geboten, weil die mittlerweile in ihrer Häufigkeit deutlich zunehmenden Veränderungsprozesse in Unternehmen einen wesentlichen Anteil im Tagesgeschäft ausmachen und bewältigt werden müssen, wenn die Organisationen überleben wollen.

Die Alternative: Sinnvolle Kooperation statt Kampf

Wie können Führungskräfte dabei das Lernverhalten positiv begleiten? Die Antworten der Forschung dazu sind deutlich. Nicht der Wettbewerb zwischen einzelnen Menschen, die sich in einer komplexen Welt persönlich optimieren wollen, ist entscheidend, sondern ihr Kooperationsverhalten. "Menschen sind in ihrem zentralen Antrieb auf gelingende Beziehungen hin orientiert". (Joachim Bauer)

Darwins Fehler: Die Begründung von Konkurrenz und Kampf

Die Entdeckung des neurobiologischen Motivationssystems ist dabei der Schritt, der zu einer fundamentalen Revision von bisherigen Annahmen bewegt. Die Tatsache, dass Menschen zum Teil ein erhebliches Aggressionspotenzial aufweisen, legte es in der Vergangenheit nahe, dass der Antrieb des Lebens (und damit auch des Lernens) in der Konkurrenz und im Kampf liegt. Diese von Darwin kurzerhand zur Grundregel der Natur erklärte Aussage ist nach den Erkenntnissen der Hirnforschung unhaltbar.

Das Ziel: Motivation und Handlungsfähigkeit stärken

Die auf der Ausschüttung von Botenstoffen basierenden Folgewirkungen von Kooperationsverhalten sind bemerkenswert und legen einen Perspektivwechsel sehr nahe. Die auf der Basis von Dopaminausschüttungen eintretenden Folgen von Zuwendung und gelingender Beziehung sind Wohlbefinden, Konzentration und Handlungsbereitschaft (muskuläre Bewegungsfähigkeit). 

Die daraufhin ausgeschütteten Botenstoffe (endogene Opiode, Oxytozin) verstärken den wohltuenden Effekt, haben Bindungswirkung und stellen insgesamt das eigentliche Antriebssystem des Menschen dar. Die Klage über eine Generation von Menschen, die wenig oder gar nicht motiviert sind, erhält hier eine Fülle von Interventionsmöglichkeiten, die systemisch gesehen einen Unterschied machen, der einen Unterschied macht.

Perspektivwechsel

Für Führungskräfte gilt es, dies sinnvoll zu bedenken. Es geht insgesamt nicht darum, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Watte zu packen, sondern es geht um

- glaubwürdige Ermutigung der Geführten
- authentische Wertschätzung für die Geführten
- angemessene Nähe zu den Geführten

Weitere Informationen zum Vortrag: tsr @ stelzer-rothe.de


Interview zum Thema Berufungen an Fachhochschulen:
Ist ein 
Gütesiegel sinnvoll?

(15. April 2017)

Das Interview führte Frau Christiane Kaline von der Universität Kassel

Wäre es nicht spannend, wenn Berufungsprozesse an einer Hochschule „begutachtet“ werden würden - als Nachweis von Fairness und Transparenz auf der Suche nach der adäquaten Besetzung der wissenschaftlichen Elite an Fachhochschulen? Der Deutsche Hochschulverband (DHV) vergibt seit 2013 das „Gütesiegel für faire und transparente Berufungsverhandlungen“, bislang tragen dieses Siegel zehn deutsche Universitäten. Der Antragsweg ist ausschließlich für Universitäten geöffnet. Ließe sich ein solcher Rahmen grundsätzlich auch auf Fachhochschulen übertragen?

Ein Gespräch zwischen dem Präsidenten des Landesverbandes hlbNRW Herrn Prof. Dr. Thomas Stelzer-Rothe und der MPA-Studentin der Universität Kassel Frau Christiane Kaline über das Für und Wider eines solchen Gütesiegels, Wettbewerbsmotive und der Frage nach etwaigen „Stolpersteinen“.

Frage: Deutsche Hochschulverband DHV bietet seit einigen Jahren die Verleihung des Gütesiegels für faire und transparente Berufungsverhandlungen an. Dabei sind „Fairness, Wertschätzung, Transparenz und Verlässlichkeit“ zentrale Themen im Rahmen von Berufungs- und Bleibeverhandlungen. Was halten Sie von dieser Form der Qualitätsüberprüfung und -anerkennung?

Berufungen sind ein entscheidender, wenn nicht der entscheidende Faktor für den Erfolg von Hochschulen. Wenn bei Berufungen also die richtigen Bewerber/innen berufen werden und die falschen Bewerber nicht berufen werden, ist eine Qualitätsprüfung und -anerkennung sicher sinnvoll. Auf der anderen Seite muss man leider beobachten, dass gerade die an Fachhochschulen Beschäftigten über zu viel Verwaltungsaufwand klagen. Die Personalausstattung an Fachhochschulen läuft im Grunde immer der Entwicklung der Anforderungen hinterher. Die Grundfinanzierung der Hochschulen ist im Moment unzureichend, so dass ein zusätzliches Engagement, wo auch immer, mit viel Skepsis betrachtet wird. Das ist kein günstiger Nährboden für Veränderungen. Wenn also die Betroffenen an Fachhochschulen in Zukunft auch noch diese Qualitätssicherung über sich ergehen lassen müssen (!), könnte es sein, dass die eigentlich sinnvolle Maßnahme – wie so viele andere auch – konterkariert wird. Es wird dann Formalität abgearbeitet und nicht wirklich die Qualität gesichert. Das ist so ähnlich wie bei den aktuellen Akkreditierungsprozessen. Hier wird dann nicht unbedingt geprüft, ob es sich um einen durchdachten und sinnvoll ausgestalteten Studiengang handelt, sondern ob die Unterlagen der Akkreditierung dies vermuten lassen. Die einfache Antwort lautet also: Das Gütesiegel ist grundsätzlich sinnvoll, bedarf allerdings der entsprechenden Kontextbedingungen, wenn es wirklich ein valides, objektives und reliables Verfahren sein soll.

Frage: Angenommen, der Antragsweg wäre auch für Fachhochschulen geöffnet, würden Sie sich für ein solches Gütesiegel interessieren?

Natürlich, weil es wahrscheinlich Angebote/Ideen beinhaltet,  wie Berufungsverfahren aufgebaut werden könnten, wenn sie den Gütekriterien einer Personalauswahl unterliegen sollen. Am liebsten würde ich es allerdings selbst mitgestalten wollen.

Frage: Gibt es Überlegung oder sogar Bestrebungen, eine Form von offiziellem und vergleichbarem Gütesiegel ähnlich dem Gütesiegel des DHV auch für Fachhochschulen einzuführen?

Ich nehme auf präsidialer Ebene der Fachhochschulen in NRW wahr, dass sich in letzter Zeit einige Hochschulen erfreulicherweise intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Ob dabei von einzelnen Hochschulen ein Gütesiegel angestrebt wird, kann ich nicht sagen.

Frage: Kennen Sie Fachhochschulen, die sich dafür interessieren bzw. die dies einmal nachfragten?

Ich kenne mittlerweile einige Hochschulen, die bei mir persönlich als Berater nachfragen und um Hilfe bei Berufungen bitten, da ich als Mentor und Coach in der Hochschuldidaktischen Weiterbildung in NRW tätig bin. Daraus erwachsen in der Regel gezielte Seminare für Berufungskommissionen, die nach meiner Beobachtung die Kultur von Berufungsverfahren positiv beeinflusst haben. Die Veränderungen konkreter Gepflogenheiten/Kulturen im Rahmen von Berufungsverfahren dauern allerdings eher Jahre als Monate.

Frage: Was spricht aus Ihrer Sicht für ein solches Gütesiegel an Fachhochschulen bzw. mit welchen „Stolpersteinen“ wäre möglicherweise zu rechnen?

Wie oben beschrieben, braucht das Gütesiegel einen hohen Grad an Akzeptanz für seine Sinnhaftigkeit bei den Betroffenen – also bei denjenigen, die Berufungsverfahren durchführen. Hochschulleitungen, die das Gütesiegel als mehr oder weniger versteckten Hinweis für die Unvollkommenheit von Berufungsverfahren installieren wollen, werden entweder Schiffbruch erleiden oder ein weiteres Verfahren erleben, das möglicherweise eher potemkische Züge ausprägt.

Frage: Was bedeutet für Sie, einen „Wettbewerbsvorteil“ zu haben?

Der Begriff lässt viele Ausprägungen zu. Wettbewerbsvorteile lassen sich im Zusammenhang mit Berufungsverfahren an Fachhochschulen sicher dahingehend interpretieren, dass sie zum Beispiel schneller ablaufen. Wer den vermeintlich besten Bewerber herausgefiltert hat, wird damit rechnen müssen, dass andere Hochschulen das auch so sehen. Wer schneller ist, hat Vorteile. Ein weiterer Punkt wäre das positive Berufungsverfahrenserleben. Egal, ob jemand auf dem ersten Platz einer Berufungsliste steht oder nicht, er wird positive, neutrale oder eher negative Eindrücke mitnehmen und gegebenenfalls weitertragen. Hochschulen machen also auf jeden Fall Werbung für sich – oder eben nicht.

Frage: Würde eine Implementierung eines Gütesiegels an Fachhochschulen eventuell einen Wettbewerbsvorteil darstellen, um Professorinnen und Professoren für die Arbeit an einer Fachhochschule zu gewinnen?

Meine in über zwanzig Jahren gemachten Erfahrungen sprechen dafür, dass das Gütesiegel für die Hochschulen als Qualitätsmerkmal intern akzeptabel sein könnte. Die Bewerber/Bewerberinnen wollen einen Ruf. Die meisten nehmen dafür selbst unprofessionelle Verfahren in Kauf. Da Wettbewerbsvorteile nach außen deutlich werden, scheint mir das Siegel eher nicht so bedeutsam.

Frage: Angenommen, Sie wären selbst an der Stelle, sich erneut auf eine Professur zu bewerben: Wovon würden Sie sich auf der Suche mit Blick auf Stellenanzeigen diverser Hochschulen leiten lassen? Was würde Sie am meisten ansprechen? Was würden Sie lediglich „zur Kenntnis nehmen“?

Ich würde nach folgender Rangliste vorgehen. Das Wichtigste wäre die fachliche Ausrichtung; dann käme gleichrangig die Form der Zusammenarbeit mit Kollegen/Kolleginnen (gleichgewichtig mit fachlicher Ausrichtung). Danach sehe ich die Ausstattung mit Personal (konkretes vorhandenes Personal/Mitarbeiter/-innen) und das Budget der Stelle (Sachausstattung). Nicht unbedeutend ist die Region und schließlich die Besoldung. Der letzte Punkt hat allerdings die Besonderheit, dass es einen klaren „Reservation Point“ gibt. Wenn eine Stelle an einer Fachhochschule nicht die realistische Möglichkeit beinhaltet, eine adäquate Besoldung am Ende der Karriere zu erreichen, wäre sie für mich uninteressant. Das bedeutet eine Orientierung an der Endstufe der alten C3-Besoldung, die übrigens in der Vergangenheit an Fachhochschulen nicht in Frage gestellt wurde. Lediglich zur Kenntnis nehmen würde ich die Hochglanzbroschüren, die von den Hochschulen erstellt werden, weil mir der Blick auf die Hochschulrealitäten der letzten zwanzig Jahre deutlich gemacht hat, dass die Informationen mitunter die Qualität einer Hofberichterstattung aufweisen. Die wahre Performance einer Hochschule wird vor allem im direkten Kontakt mit den Menschen einer Organisation deutlich. Dafür eignen sich Kongresse, Lehraufträge und viele Gespräche in Netzwerken.

Frage: Würden Sie sich auf der Suche nach einer Professur an der Hochschule xy von einem solchen Gütesiegel angesprochen fühlen?

Es beinhaltet ja auch im Falle eines mangelhaften Change-Management-Prozesses immerhin ein gewisses Bemühen, „ordentliche“ Berufungsverfahren zu gewährleisten. Insofern hätte es positive Assoziationen.

Frage: Was sind für Sie die drei wichtigsten Eigenschaften eines fairen und transparenten Berufungsverfahrens?

Ein faires Berufungsverfahren muss ein offenes Verfahren sein. Das bedeutet, dass die Stelle nicht schon vor der Ausschreibung de facto vergeben ist oder durch Mitglieder der Kommission eindeutig gesteuert wird. Die Stellenausschreibung muss den später tatsächlich vorhandenen Bedingungen entsprechen. Transparenz ist in Berufungsverfahren gegeben, wenn die von mir erwarteten Leistungen im Rahmen des Verfahrens verständlich beschrieben werden und der inhaltliche und zeitliche Ablauf zutreffend skizziert wird. Außerdem ist anzumerken, dass die Gestaltung von Berufungsverfahren nur ein Teil einer umfassenden Strategie ist, die Qualität dessen, was an Hochschulen passiert zu halten bzw. zu steigern. Die Frage des Erfolgs wird maßgeblich davon beeinflusst, ob nach der Berufung ein gedeihliches Arbeiten möglich ist. Dazu sind zunächst die Zusagen der Berufungsverhandlungen einzuhalten, um keine enttäuschten Erwartungshaltungen zu produzieren. Darüber hinaus können wir an Hochschulen typische, immer wieder auftretende Konflikte beobachten. Die Bewältigung dieser Konflikte wäre eine Voraussetzung dafür, dass die Arbeit an Hochschulen nicht immer wieder durch „Grabenkämpfe“ um Ressourcen und/oder persönliche Eitelkeiten torpediert wird. Das könnte zum Beispiel durch ein wirksames Ombudswesen geschehen. Auch da sehe ich Ansätze an den Hochschulen des Landes NRW. Qualität an Hochschulen wäre dann nicht nur, die richtigen Professoren/-innen zu berufen, sondern auch dafür zu sorgen, dass die naturgemäß auftretenden Konflikte in einem auch durch Machtstrukturen und eher knappe Ressourcen geprägten Kontext adäquat gelöst werden. Der umfassende Schritt eines qualitätssteigernden Organsationsentwicklungsprozesses wäre dann nicht nur ein Gütesiegel für Berufungsverfahren, sondern zusätzlich ein Siegel für einen fairen Umgang an Hochschulen.


Lernen in der Zukunft auf der Grundlage von Befunden der aktuellen Lernforschung

Auszüge aus einem Vortrag beim Berufsbildungs-Forum der Mediadidact 2017 in Rosbach


"Menschen brauchen Menschen in einer Kultur der Ermutigung und in stabilen Beziehungen mit viel Bewegung!"

Thomas Stelzer-Rothe

Gedanken und Gliederung des Vortrages:

  • Wie lernen wir – fünf Beispiele und zwei Fragen?
  • Was ist Lernen – hirnbiologisch gesehen?
  • Warum sind wir alle unvollkommen, aber hochgradig leistungsfähig?
  • Wie schaffen wir es, wirklich frei zu werden?
  • Welche Bedeutung hat Kooperation?
  • Wo lauern Gefahren?
  • Wie viel Digitalisierung brauchen wir beim Lernen und wofür?
  • Begründete Thesen für geglücktes Lernen!


Jetzt erhältlich:


Stelzer-Rothe


Was bleibt?

Fragen zu Wissen und Kompetenzerwerb (Auszüge aus einem Vortrag für die Hochschule Ostwestfalen-Lippe am 06.01.2017)

"Hochschulen sind Orte der Freiheit, die von den Professorinnen und Professoren mit Verantwortung für das Gemeinwohl ausgefüllt werden sollten, damit das noch nicht Gedachte gedacht und das noch nicht Gemachte gemacht werden kann." Thomas Stelzer-Rothe


Der Sinn der Überlegungen

Hochschulen sehen sich wie viele andere Organisationen einem permanenten Wandel in ihrem Umfeld ausgesetzt und sollten auf Grund ihres (gemeinwohlorientierten) Auftrags darüber nachdenken, wie sie auf diese Veränderungen vor dem Hintergrund der Freiheit von Forschung und Lehre reagieren. So sind massive Bemühungen zu beobachten, Angebote von neuen, interessanten und zukunftsweisenden Studiengängen zu gestalten. Ihre erfolgreiche Implementierung ist letztlich ein Beleg für die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft von Hochschulen.

Mögliche Ziele von Hochschullehre

Damit Studiengänge entstehen, die tatsächlich das Beabsichtigte bewirken, ist die Definition von Zielen notwendig, die von den Betroffenen angestrebt werden. Auf höchster Abstraktionsebene könnten folgende Richtziele skizziert werden:

    • Hochschulen sollen Orte der Freiheit in Lehre und Forschung sein.
    • Professoren und Professorinnen sollen diese Freiheit mit Verantwortung wahrnehmen.
    • Hochschulen sollen gemeinwohlorientiert sein.
    • Hochschulen sollen Orte sein, an denen grundsätzlich das noch nicht Gedachte gedacht und das noch nicht Gemachte (sanktionsfrei) gemacht werden kann.
    • Hochschulen sollen Orte sein, an denen grundsätzlich das noch so Selbstverständliche immer wieder (sanktionsfrei) in Frage gestellt werden kann.
    • Hochschulen sollen Orte sein, an denen aus Ungeordnetem Sinn entsteht.
    • Hochschulen sollen Gemeinschaften von Lehrenden und Lernenden sein.
Zu den wesentlichen Fragen in diesem Zusammenhang zählt es, wie es den Professorinnen und Professoren zusammen mit den Studierenden gelingt, langfristig abrufbare Ausbildung und Bildung zu bewirken. Spiegelstrichlernen und Oberkellnergedächtnis sind dabei keine Maßstäbe für gelingende Ausbildungs- und schon gar nicht für Bildungsprozesse.

Zu den Zielen, die Hochschulen in diesem Zusammenhang anstreben könnten, gehören neben den fachlichen Zielen die folgenden Metakompetenzen (in Anlehnung an Hüther, G.):
    • vorausschauend denken und handeln können (strategische Kompetenz)
    • komplexe Probleme durchschauen können (Problemlösungskompetenz)
    • die Folgen des eigenen Handelns abschätzen können (Umsicht)
    • die Aufmerksamkeit auf die Lösung eines bestimmten Problems fokussieren und sich entsprechend konzentrieren können (Motivation und Konzentrationsfähigkeit)
    • Fehler und Fehlentwicklungen bei der Suche nach einer Lösung rechtzeitig erkennen und korrigieren können (Einsichtsfähigkeit und Flexibilität) 
    • sich bei der Lösung von Aufgaben nicht von aufkommenden anderen Bedürfnissen überwältigen lassen (Frustrationstoleranz und Impulskontrolle)
Erfolgsfaktoren für Hochschullehre

Damit diese anspruchsvollen Kompetenzen eine realistische Chance auf Realisierung erhalten, muss immer wieder die Frage gestellt werden, welche Faktoren zu bedenken sind, die das Lernen an Hochschulen erfolgreich(er) machen.
Faktoren, die dabei eine zentrale Rolle spielen, sind die folgenden:

1.  Motivation

    • Diese hängt ab von dem Sinn des zu Lernenden für die Studierenden und der Aussicht auf Erfolg bei den Studierenden.

2.  Aufmerksamkeit der Studierenden

    • Diese hängt ab von der Lernatmosphäre (Raum und Kommunikation), den Pausen bzw. der Ruhe/Muße im Lernprozess.
3. Geglückte Beziehungen

Für den Sinn des zu Lernenden sollte es Angebote von Seiten der Lehrenden geben, den konkreten Lehrstoff in das Fachgebiet einzuordnen und Vernetzungen deutlich zu machen. Dies ist letztlich ein Grund, warum auf die hohe fachliche Qualität von Professorinnen und Professoren nicht im Ansatz verzichtet werden kann. Nur wer viel weiß, kann aus dem Gewussten im Kontext des Fachgebietes etwas Sinnhaftes auswählen.
Gleichzeitig ist der Zusammenhang zu bedenken, dass wir mittlerweile vielen Studierenden begegnen, die nicht zu wissen scheinen, warum sie etwas studieren – vielleicht außer am Ende ein Zertifikat (den akademischen Abschluss) in der Hand zu halten. Dieses wiederum soll neue Wege eröffnen, von denen allerdings nicht genau klar ist, wohin es gehen soll. Deshalb scheint es mehr denn je zwingend zu sein, den Studierenden deutlich zu machen, dass sie sich um ihre eigenen langfristigen Ziele kümmern sollten (!), damit Lernen gelingt.
Wie sonst könnte man das stundenlange Bearbeiten von anstrengenden Aufgabenstellungen aushalten, das für das Erreichen von hochwertigen Zielen normalerweise nötig ist? Wer in der Lehre Motivationsprobleme bei den Studierenden wahrnimmt, gleichzeitig aber von der Sinnhaftigkeit der ausgewählten Inhalte überzeugt ist, sollte wenigstens versuchen, diesen Sinn bei den Studierenden für das Angestrebte anzubieten. Wenn das nicht gelingt, sind allerdings die Studierenden gefordert, ihre eigene Zielmatrix zu überprüfen. Wir sollten sie dabei nicht alleine lassen. Beratung tut gerade am Anfang des Studiums not.

Ein Faktor ganz besonderer Art, der im Zusammenhang mit der Gestaltung von Beziehungen entsprechendes Gewicht erhalten sollte, ist der auf den Erkenntnissen der neueren Hirnforschung aufbauende Zusammenhang zweier Hirnregionen. Dies ist einerseits das ventrale Tegmentum und andererseits der präfrontale Kortex. Die dort beobachtbaren Prozesse der Ausschüttung von Dopamin, endogenen Opioiden und Oxytozin sind Kernstück einer fundamentalen und weitreichenden Erkenntnis. 

Menschen werden fundamental von gelungenen Beziehungen motiviert. Sie sind auf Kooperation hin angelegt. Immer dann, wenn wir Kooperation erleben oder Handlungen gestalten, die der Förderung von Beziehung dienen (sogar schon in Erwartung von geglückter Beziehung), schüttet das Gehirn Hormone aus, die uns glücklich machen und den Zusammenhalt mit anderen Menschen stärken. Dieser ist wichtig, da er die Persönlichkeit von Menschen maßgeblich stützt und Ängste abbaut. Das in diesem Kontext wichtige Oxytozin ist dabei nicht nur Ergebnis von Kooperation, sondern gleichzeitig wiederum Grundlage für das Eingehen und Stabilisieren neuer Beziehungen. Schlagwortartig kann man formulieren, dass die stärkste Droge des Menschen der Mensch selbst ist (in Anlehnung an Bauer, J.).

Nimmt man diese Erkenntnis als eine der überaus entscheidenden Grundlagen für geglücktes Lernen ernst, ist es unabdingbar, sich der Gestaltung von Beziehungen zu widmen, die sich an Hochschulen in der Lehre (und darüber hinaus) beobachten lassen. Aus dieser Argumentation kann die in vielen Studien untermauerte Erkenntnis abgeleitet werden, dass es für den Lernerfolg neben der unerlässlichen fachlichen Qualifikation auf die persönlich Kompetenz (zur Beziehungsgestaltung) von Professorinnen und Professoren ankommt, die die Studierenden zu höflichem und respektvollem Umgang miteinander anleiten, sie fordern (durch die Gestaltung von Herausforderungen) und fördern (durch das Angebot von Hilfestellung). 

Studierende sollten dabei nicht in Watte gepackt werden, jedoch immer wieder das Angebot von Förderung erhalten, um sich selbst und selbstständig weiterzuentwickeln. Professorinnen und Professoren sollten die gewünschte Verhaltensweise den Studierenden gegenüber und innerhalb der Professorenschaft glaubwürdig verkörpern. Dass das nicht immer der Fall ist, sollte zu denken geben, weil die Wirkung des Vorbilds kaum zu unterschätzen ist.

Der gesamte Prozess sollte strukturiert (also mit Aussicht auf Erfolg) und in Ruhe möglich sein (zur Stärkung der Aufmerksamkeit). Angst, Überforderung, Lärm und Kampf sind schlechte Lehrmeister für anspruchsvolle Lernprozesse. Lernen in Ruhe und mit angemessenen Wiederholungsschleifen, damit die richtigen Regionen im Gehirn in Gang kommen und stabile Strukturen entstehen, sind wichtig. Die von Humboldt angesprochene Muße im Lernprozess ist dabei sicher förderlicher als die mitunter bewusst erzeugte Hektik, die zu einfachen und schnellen, qualitativ aber nicht sonderlich anspruchsvollen Lösungen führt. Lernen braucht in den meisten Fällen Zeit, auf jeden Fall dann, wenn es um die Vermittlung lernzieltaxonomisch hochwertiger fachlicher Lernziele geht. In ganz besonderer Weise gilt dies jedoch für das Entstehen von Metakompetenzen.

Wer in Veranstaltungen vor allem klimpernde Tastaturen und klingelnde Smartphones erlebt oder Studierende, die sich angeregt und aufgeregt untereinander über alles unterhalten, nur nicht über den dargebotenen Inhalt, darf sich nicht wundern, wenn nichts bleibt. Wir müssen zusammen mit den Studierenden Abhilfe schaffen und Lernvereinbarungen treffen, die die Lernatmosphäre im Sinne von Aufmerksamkeit fördern. Diese ist Voraussetzung und keinesfalls eine nette Zugabe von Lernprozessen (vgl. dazu Spitzer, M.), sondern Teil einer dringend notwendigen aktiven Beziehungsgestaltung.

Interventionen im vorhandenen System

Am Ende sollen mögliche Interventionsmöglichkeiten genannt werden, "die Unterschiede machen, die Unterschiede machen", die das Lernsystem also in die gewünschte Zielrichtung verändern können. Ob das gelingt, wäre einen Versuch wert!

Mögliche Interventionen:

    • Scheuen wir uns nicht, in Ruhe zu lehren und den Studierenden aufmerksames Lernen zu ermöglichen. Bologna im Sinne der Schaffung von Oberkellnergedächtnissen bei den Studierenden ("Ein Modul aufnehmen, in der Klausur das instabil Gelernte abladen, anschließend die Inhalte vergessen und dann das nächste Modul in den Blick nehmen!"), wenig vernetzte Module und planlose Beschleunigung von Lernprozessen sind sichere Lernkiller! 
    • Lassen wir uns von Bologna, von Akkreditierungskommissionen oder von anderen, die glauben, uns antreiben zu müssen, nicht ins Bockshorn jagen!
    • Der Sinn und die Vernetzung der Inhalte müssen klar werden! Wenn ein Studierender den Sinn nicht sieht, können wir nachlegen. Danach ist allerdings der Studierende selbst gefordert. Dabei können wir ihm helfen.
    • Lehrende haben eine zentrale Funktion: Fachlich fundiert, engagiert, achtsam und herausfordernd zu lehren. Dazu brauchen wir die Leidenschaft für unser Fach und die Lehre – ein ganzes Berufsleben lang.
    • Wir brauchen lernförderliche Lernräume – in jeder Beziehung! Bemühen wir uns um positive Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden, zwischen Lernenden und Lernenden und zwischen Lehrenden und Lehrenden! Dazu brauchen wir an Hochschulen ein wirksames Konfliktmanagement!
Dann haben wir sehr gute Chancen, dass sehr viel von dem bleibt, was wir leidenschaftlich lehren - eine überaus motivierende Aussicht! 

Thomas Stelzer-Rothe


Podiumsdiskussion am 24. September 2016 in Bad Honnef:

20 Jahre Förderung von Studierenden der Fachhochschulen durch die Studienstiftung des deutschen Volkes

(24.9.2016)

Die Förderung von Studierenden durch die Studienstiftung des deutschen Volkes war Thema einer Podiumsdiskussion am 24. September 2016 in Bad Honnef. Das 20-jährige Bestehen der Förderung war Anlass, aus verschiedenen Perspektiven die Arbeit der Studienstiftung zu würdigen. Die zahlreich vertretenen Stipendiaten der Fachhochschulen waren ein sichtbarer Beweis für die Wirksamkeit der Stiftung.

Stelzer-Rothe

Es wurde aber auch deutlich, dass eine weitere Stärkung der Förderung notwendig ist. Dabei ist zu bedenken, dass nicht alle vorgeschlagenen Studierenden tatsächlich das Angebot annehmen und sich dem Auswahlverfahren für ein Stipendium stellen.

Prof. Dr. Stelzer-Rothe betonte in seiner Funktion als Präsident des Hochschulleherbundes Nordrhein-Westfalen, dass die Intentionen der Stiftung noch stärker in den Vordergrund gestellt werden könnten, da hier eine besondere Form der Gemeinwohlorientierung realisiert werden kann, bei der die Fachhochschulen einen überaus wertvollen Beitrag leisten.



Projekte systemisch managen!


(24. Juni 2016)

Stelzer-Rothe

Klappentext:

Zu den Phänomenen unserer Zeit gehören die vielfältigen Wirkungen von Beschleunigung und Internationalisierung auf Organisationen. Unternehmen sind weniger denn je statisch, sondern im permanenten Veränderungsmodus. Sie müssen die Marktimpulse sinnvoll aufnehmen und verarbeiten.

Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist, dass das Arbeiten in Projekten massiv zugenommen hat. Wie gehen wir damit um? Wie gut können wir die aus dem Projekt ableitbaren Aufgaben in der gebotenen Zeit bewältigen? Ist das Projektergebnis qualitativ hochwertig? Welche Rolle spielt der Faktor Mensch in den Projektabläufen und für das Projektergebnis?

Dieses Buch will Informationen anbieten, zum Nachdenken anregen und inspirieren. Zu den behandelten Themen gehören die systemisch fokussierten Grundlagen des Projektmanagements, überaus nützliche Lösungshilfen für erfolgreiche Projekte (ein Prozesskompass für psychosoziale und sachrationale Prozesse und lösungsförderndes Visualisieren durch einfaches Skizzieren), grundlegende Erkenntnisse der Hirnforschung sowie der zielführende Umgang mit Konflikten in Projekten.

Alles das ist eine wertvolle Hilfe für die Leserinnen und Leser, um noch erfolgreicher zu werden.



Forschung/Buchprojekt "Projekte 

systemisch managen!"


(2. April 2016)

Das Arbeitsteam um Prof. Dr. Thomas Stelzer-Rothe, Jürgen Stötzer (Geschäftsführer WfB Rhein-Main e. V.) und Dr. Heike Thierau-Brunner (Beraterin CRTB Training) untersucht die Auswirkungen psycho-sozialer Prozesse im Projektmanagement.

Das Forschungsprojekt ist ein wesentlicher Beitrag im Rahmen der Diskussion über "Organisationale Achtsamkeit". Zum Forschungsthema wird demnächst eine Veröffentlichung im Berliner Wissenschaftsverlag erscheinen ( siehe Veröffentlichungen "Projekte systemisch managen").


Promotionsrecht für Fachhochschulen in Hessen in greifbarer Nähe 

(13. Januar 2016)

In Hessen werden wahrscheinlich bald auch an Fachhochschulen eigenständige Promotionen möglich sein. Diese Entwicklung lässt sich nach den jetzt bekannt gewordenen Meldungen absehen. Trotz des Widerstands der Universitäten  will Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) das Vorhaben vorantreiben

(
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/hessen/doktortitel-in-hessen-weg-frei-fuer-die-promotion-an-der-fh-13462061.html/letzter Zugriff am 13.1.2016).

Hier bestätigen sich die Prognosen, die auf der Podiumsdiskussion des hlbBund im Mai 2014 zum Teil geäußert wurden, überraschend schnell (siehe auch unten die Pressemeldung "Promotion an Fachhochschulen").


Die Fachhochschule 4.0 

(Tagungsband zum Workshop des hlbNRW) 

April 2015

(20. Dezember 2015)

Ali Reza Samanpour und  Thomas Stelzer-Rothe (Hrsg.)

Wohin wird es mit den Fachhochschulen gehen? Was wird die Fachhochschule 4.0 sein? Das vorauszusagen ist schwer, weil sich das Umfeld der Fachhochschulen, sprich die Gesellschaft und Wirtschaft, in einem ständigen Wandel befinden und Aussagen zur Zukunft mit einem hohen Grad an Unsicherheit verbunden sind. Dieser Sachverhalt hindert aber nicht daran, danach zu fragen, was bei der Veränderung der Fachhochschulen möglicherweise bedacht werden sollte, statt die Entwicklung über sich ergehen zu lassen.

Aus der Geschichte und aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ergibt sich eine Tradition und Verbindlichkeit, die mit dem Wahren, Guten und Schönen zu tun hat und auf Freiheit in Verantwortung vor der Gesellschaft basiert. Fachhochschulen sind im Gefüge der Hochschulen Orte, an denen die Freiheit genutzt werden kann, um in Forschung, Entwicklung und Lehre die Gesellschaft zum Besseren hin zu verändern; oder anders ausgedrückt sind Hochschulen Orte, wo das noch nicht Gedachte gedacht werden kann und das noch nicht Gemachte gemacht werden kann ohne dabei die Verantwortung für das Ganze aus dem Auge zu verlieren.

Die spezielle Aufgabe von Fachhochschulen liegt im Gefüge der Hochschulen darin, neue Erkenntnisse der Forschung zu liefern und/oder aufzugreifen, um sie anwendungsbezogen zu verwerten und durch eine hochwertige Lehre jungen Menschen Lebensperspektiven durch Ausbildung und Bildung zu ermöglichen. Das sind allemal Aufgaben, bei denen es sich lohnt, nachzudenken, Probleme zu beschreiben und Lösungsangebote in die Diskussion einzubringen. Genau das beabsichtigt diese Veröffentlichung, die auf einer Veranstaltung basiert, die der hlbNRW im April des Jahres 2015 in Siegburg durchgeführt hat. Sie enthält bewusst pointierte Auffassungen, die sich besonnen aber kraftvoll und deutlich zu den Themen des Work­shops geäußert haben.

Aus dem Inhalt:

Zur Lage der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen
- Ergebnisse der hlb-Frühjahrsstudie 2015
Leo Hellemacher

Entwicklungsperspektiven der Fachhochschulen aus
Sicht der nordrhein-westfälischen Landesregierung
Dietmar Möhler

Die Lehre an Fachhochschulen und die Fachhochschule 4.0
Thomas Stelzer-Rothe

Forschung an Fachhochschulen
Uwe Handmann

Corporate Governance an Fachhochschulen und
die Fachhochschule 4.0
Thomas Stelzer-Rothe

Zu beziehen über den hlbNRW: info at hlb-nrw.de


Hervorragende Zukunftsaussichten!

Absolventenfeier der Verbundstudiengänge Wirtschaftsrecht in Hagen

(19. September 2015)

41 Absolventinnen und Absolventen der Verbundstudiengänge 
Betriebswirtschaft/Wirtschaftsrecht

Am 19.09.2015 fand die Absolventenfeier der Verbundstudiengänge Betriebswirtschaft, Wirtschaftsrecht in Hagen statt. 36 Studierende wurden mit dem Bachelor-Abschluss und fünf Studierende wurden mit Master-Abschluss verabschiedet. Prof. Dr. Thomas Stelzer-Rothe moderierte die Feier, die mit tollen musikalischen Beiträgen des Trios Barbara Barth (Gesang), Gregory Gaynair (Piano) und Saxophonist Pascal Bartoszak angereichert wurde.

Prof. Dr. Stelzer-Rothe stellte die Motivation und Belastbarkeit der Absolventinnen und Absolventen als überaus wichtige und marktfähige Kompetenzen heraus und prognostizierte ihnen weitere hervorragende Zukunftsaussichten mit den im Studium erworbenen Fähigkeiten und dem verliehenen akademischen Abschluss.

Quelle: vgl. Newsletter der Verbundstudiengänge Wirtschaftsrecht WS 2015/16


Die Fachhochschule der Zukunft!

Vortrag am 18. März 2015 an der Hochschule Bremen 

Zusammenfassung zentraler Gedanken des Vortrags:

Die Fachhochschule der Zukunft
    • wird vor allem von leidenschaftlich Lehrenden und Forschenden in einer funktionierenden Gemeinschaft mit den Lernenden getragen,
    • stützt unsere Gesellschaft auf vielfache Weise durch leistungsfähige Absolventinnen und Absolventen,
    • ist weitgehend transparent,
    • ist ein gemeinwohlorientierter Ort der Freiheit und Verantwortung in Lehre und Forschung mit ausbalancierter demokratischer Verfasstheit,
    • hat einen hohen Grad an Handlungsfähigkeit und
    • ist eine Organisation, die knappe Ressourcen wirtschaftlich einsetzt.
Daraus folgen hochschulpolitische Forderungen:
    • Ausfinanzierung der Grundlast der Hochschulen zur Milderung der Drittmittelabhängigkeit  (bei gleichzeitiger und angemessener Transparenz der Drittmittel)
    • Reduzierung der Deputate zur besseren Betreuung der Studierenden und zur Wahrnehmung von Forschungs- und Entwicklungsaufgaben (einschließlich einer qualifizierten Promotionsbetreuung)
    • Ermöglichung von kleineren Gruppen durch Ausbau der Personalressourcen (einschließlich angemessener Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter zur Delegation)
    • Einführung eines wissenschaftsadäquaten Besoldungsmodells (= Erfahrungsstufenmodell mit Umkehr der Beweislast bei Versagen von Besoldungserhöhungen)
    • Stärkung der Beteiligungsrechte der Betroffenen an den Hochschulen unter Beibehaltung der notwendigen Professorenmehrheiten
    • Entwicklung einer adäquaten Kommunikationskultur an den Hochschulen


Veröffentlichung im Februar 2015


Ein Werkzeug zur achtsamen Projektsteuerung. 
Erschienen in: Personalwirtschaft 2/2015.


Veröffentlichung im Dezember 2014

Die Fachhochschule der Zukunft. Erschienen in DNH 6/2014



Ergebnisse einer Kurzumfrage zum neuen Hochschulgesetz des
Landes Nordrhein-Westfalen:

Hellemacher, L. und Stelzer-Rothe, T. 2014: Ergebnisse der hlb-Onlineumfrage zu Aspekten des Hochschulzukunftsgesetzes NRW. In: DNH4/2014. S. 122 - 125.


Umgang von Universitäten mit der kooperativen Promotion

Podiumsdiskussion des hlbBund am 16. Mai 2014


hlb-Diskussionsrunde zum Promotionsrecht für Fachhochschulen zeigte Umgang von Universitäten mit der kooperativen Promotion

Die Auftaktveranstaltung der Bundesdelegiertenversammlung des Hochschullehrerbunds hlb am 16. Mai 2014 griff das Thema "Promotionsrecht für Fachhochschulen?" auf.
Der hlb unterstützt Bestrebungen einzelner Länder für ein Promotionsrecht der Fachhochschulen. Der Deutsche Hochschulverband DHV ist weiterhin dagegen. Auch das Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen tendiert zum Festhalten am Promotionsprivileg der Universitäten, plädiert jedoch für eine Verbesserung der Promotionsmöglichkeiten für Fachhochschule-Absolventen, insbesondere im Rahmen kooperativer Promotionen.

Bonn, 18. Mai 2014. Der hlb hatte zu einer Diskussion über das Promotionsrecht für Fachhochschulen eingeladen: Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Universität Bonn, Landesverbandsvorsitzender des Deutschen Hochschulverbands in NRW, vertrat die Seite der  Universitäten, Dr. Thomas Grünewald, Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen diejenige der Politik. Die Vertreter der aufstrebenden Fachhochschulen, Prof. Dr. Nicolai Müller-Bromley, Präsident des hlb, und Prof. Dr. Thomas Stelzer-Rothe, Präsident des hlbNRW, begrüßten die im neuen baden-württembergischen Hochschulgesetz beschlossenen Möglichkeiten für Promotionen in Hochschulverbünden und die Absicht des Landes Schleswig-Holstein, den Fachhochschulen dort das eigenständige Promotionsrecht zu verleihen. Die Stellung der Professorinnen und Professoren von Fachhochschulen bei der Begutachtung der dort entstandenen Doktorarbeiten ist jedoch zu stärken. 
...
Dem alten Argument, dass Fachhochschulen nicht wissenschaftlich ausbilden würden, entgegnete Stelzer-Rothe, dass Fachhochschulen selbstverständlich wissenschaftliche, insbesondere methodische Kompetenzen fördern, wovon sich Interessierte jederzeit überzeugen könnten.
...
Mit seiner abschließenden Fragerunde forderte Moderator Prof. Dr. Jochen Struwe, Vizepräsident des hlb, seine Gäste auf, eine Prognose abzugeben, wann die Fachhochschule das Promotionsrecht inne haben werde. Der Großteil äußerte eher verhaltene Aussichten. Zuversichtlich ist Thomas Stelzer-Rothe, der es in den nächsten 10 Jahren für möglich hält.



Novelle des Hochschulgesetzes auf dem Prüfstand

Auszüge aus der Pressemeldung zur Podiumsdiskussion des hlbNRW am 12. April 2014



v.l.: Dr. Berger, Dr. Grünewald, Prof. Dr. Stelzer-Rothe, Himmelrath (Moderation)

„Entfaltung von Potenzialen oder Bürokratisierung der Hochschulen in NRW“ war das Thema einer Podiumsdiskussion des hlbNRW mit Vertretern aus Politik und von Fachhochschulen. Im Fokus standen auch die Folgen des aktuellen Hochschulfreiheitsgesetzes.

Bonn, 15. April 2014 Am 12. April diskutierten an der Fachhochschule Köln der zuständige Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium NRW, Dr. Thomas Grünewald, der Sprecher des Wissenschaftsausschusses, Dr. Stefan Berger (CDU), der ehemalige Präsident der Fachhochschule Köln, Prof. Dr. Joachim Metzner, Ex-Staatssekretär Dr. Wolfgang Lieb sowie der Präsident des Hochschullehrerbunds Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Thomas Stelzer-Rothe über das geplante Hochschulzukunftsgesetz. Das aktuelle Hochschulgesetz wurde vom ehemaligen Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart als Leitbild der unternehmerischen Hochschule propagiert.

Der Streit um das neue Gesetz, der in den letzten Monaten überaus heftig zwischen den Vertretern von Hochschulräten, Landesrektorenkonferenz und Ministerium entbrannt war, erhitzte erwartungsgemäß auch in dieser Veranstaltung die Gemüter. Massive Bedenken äußerte die Professorenschaft über die im Gesetz vorgesehene deutliche Verringerung der individuellen Freiheiten der einzelnen Professorinnen und Professoren durch einen weitgehend entmachteten akademischen Senat. Der Präsident des hlbNRW, Thomas Stelzer-Rothe, belegte die Bedenken mit den Ergebnissen der vom Verband kontinuierlich durchgeführten und repräsentativen empirischen Untersuchungen. Erwartungsgemäß 
stieß dies auf heftigen Widerspruch des Vertreters des derzeitigen Gesetzes, Stefan Berger. Er verteidigte vehement die Einflussmöglichkeiten eines mächtigen Hochschulrates und eines starken Präsidiums, um die Handlungsfähigkeit der Hochschulen gewährleisten zu können. Seine Einwände, dass das Land Hochschulen mit dem neuen Gesetz nun gängeln wolle, konterte Wolfgang Lieb mit dem Hinweis auf die aktuelle Gesetzeslage, die mindestens ebenso massive Eingriffe in die Hochschulen zulasse. Davon wurde allerdings bisher kein Gebrauch gemacht. Kritisch sah der ehemalige Präsident der Fachhochschule Köln den im Vorfeld durchgeführten Dialogprozess des Ministeriums mit allen Beteiligten, der kaum zu einer gemeinsam Linie führte und eher zur Verunsicherung beigetragen habe. Im Mittelpunkt der Argumentation von Abteilungsleiter Thomas Grünewald stand unter Hinweis auf die auch weiterhin gewünschte Autonomie der Hochschulen die Verantwortung des Landes, das sowohl eine Kontrollfunktion als auch eine strukturpolitische Komponente wahren müsse.

Die Ansichten der Beteiligten gingen zum Teil erheblich auseinander. Es bleibt spannend, ob das neu geschnürte Gesetzespaket zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen beitragen wird oder ob die individuellen Stärken der Beteiligten durch eine spürbare Redemokratisierung der Hochschulen belebt werden können. Bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte hat die Diskussion deutlich gemacht, dass sich strittige Themen in einer fairen und offenen Diskussionskultur bearbeiten lassen.


Ist eine Professur an Fachhochschulen
in NRW noch attraktiv? 

(2. Juli 2013)


v. l.: Himmelrath (Moderation), 
Prof. Dr. Stelzer-Rothe (Präsident hlbNRW), 
Dr. Seidl (MdL, Bündnis 90/Die Grünen)

„Ist eine Professur an Fachhochschulen in NRW noch attraktiv?“, lautete die Fragestellung einer Diskussionsrunde mit Professoren und Vertretern aus der Politik am 2. Juli 2013 an der Hochschule Niederrhein in
Mönchengladbach. 

Der Hochschullehrerbund hlbNRW hatte die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und die Mitglieder des Wissenschaftsausschusses des Landtags Dr. Stefan Berger (CDU), 
Karl Schultheis (SPD), Ruth Seidl (Bündnis 90/Die Grünen) eingeladen. Auf dem Podium diskutierten außerdem der Präsident des hlbNRW, Thomas Stelzer-Rothe, und der Präsident der Hochschule Niederrhein, Hans-Henning von Grünberg. Die Zufriedenheit der Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen sinkt. Das belegen die Studien des Hochschullehrerbunds hlbNRW. Waren im Jahr 2005 noch 85 Prozent mit ihrer Berufswahl zufrieden, sind es sechs Jahre später nur noch 74 Prozent, betonte gleich zu Beginn der Veranstaltung Thomas Stelzer-Rothe, Präsident des hlbNRW. Ein spürbarer Anstieg der Studierendenzahlen ohne entsprechende Anpassung der Professorenstellen, doppelte Abiturjahrgänge und gleichzeitig höhere Anforderungen an die Forschungsleistungen – all diese Faktoren wirken sich nachhaltig negativ auf die Arbeitsbelastung der Professoren aus. Klar wurde, dass es für die Professoren nicht verständlich ist, warum ausgerechnet sie bei der Umsetzung der Tarifabschlüsse leer ausgehen sollen und dabei gleichzeitig den enormen Anstieg der Belastungen tragen müssen. Zusammen mit den realen Gehaltseinsparungen der letzten Jahre passt dies nicht zum politischen Versprechen, mehr für Bildung in NRW zu tun.